Globale Themen

Ist EZB-Vorgehen ein EZB-Vergehen?

USD

EUR USD (1,1740)

Die EZB-Führung befindet sich noch in der Sommerpause. Händler und Investoren scheinen hingegen nach den temporären Spannungen, die seit Mitte vergangener Woche die Finanzmärkte in Bewegung halten, wieder stärker präsent zu sein. Dass sie sich gestern vorzugsweise mit EZB-bezogenen Themen beschäftigten, lag zum einen am Mangel neuer Drohgebärden, mit denen sich Nordkorea und die USA gegenseitig einzuschüchtern versuchten. Aus der US-Wirtschaft kamen hingegen spannendere Nachrichten: So sind Einzelhandelsumsätze doppelt so stark wie erwartet gestiegen – ein Phänomen, das vor allem den kurzfristig orientierten Handel gestern sehr beschäftigte. Allerdings wussten auch die Stimmung der US-Industrie (Empire-State-Index) und die US-Hauspreisentwicklung positiv zu überraschen.

Während Day-Trader sich gestern überwiegend an den ökonomischen US-Daten entlanghangelten und dem Euro daher bis zum frühen Nachmittag eine leichte US-Dollar-Brise ins Gesicht blies, beschäftigten sich Marktkommentatoren vorzugsweise mit der EZB. In erster Linie lag dies an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der Anzeichen für ein baldiges Ende der EZB-Niedrigzinspolitik erkannt haben wollte und dieses sich auch unverhohlen wünscht, wie er auf einer Wahlkampfveranstaltung am vergangenen Wochenende kundtat. Er betonte allerdings, dass seine Bemerkungen nicht als Kritik an der europäischen Notenbank zu verstehen seien. Als gestern Morgen Agenturmeldungen von den Bedenken des Bundesverfassungsgerichts gegen das Staatsanleihe-Kaufprogramm der EZB berichteten, sah es beinahe so aus, als ob Schäubles Wunsch (und sicherlich auch der vieler Marktteilnehmer) schneller als erwartet in Erfüllung gehen könnte. Zweifelsohne haben die Verfassungsrichter die Vorwürfe sehr ernst genommen und angedeutet, es würde einiges dafür sprechen, dass die dem Anleihekaufprogramm zugrundeliegenden Beschlüsse tatsächlich gegen das Verbot der Staatsfinanzierung durch die EZB verstießen. Da das BVerfG jedoch nicht über EU-Recht entscheiden kann, liegt der Ball nun beim Europäischen Gerichtshof (EuGH).

Der Euro rutschte gestern fast bis auf das Korrekturtief der vergangenen Woche (1,1685) zurück. Trotz anschließender Erholung hält die Gemeinschaftswährung noch merklich Distanz zu ihrem Stabilitätspunkt bei 1,1840, dessen Überschreiten ein Kursziel bei 1,2010/15 eröffnen würde. Erneute Rückschläge bis 1,1605 könnten sich daher im Zweifel noch entfalten.

GBP

EUR GBP (0,9120)

Zu einem starken Preisauftrieb in Großbritannien ist es im Juli nicht gekommen. Die Inflation blieb mit unverändert 2,6 Prozent im Rahmen der Erwartungen. Unterdessen ist die Veröffentlichung der britischen Positionspapiere zu den Brexit-Verhandlungen von der EU-Kommission sehr begrüßt worden. Ob dies allerdings auch für deren Inhalte gilt, muss sich noch zeigen. Der Euro hat sich gestern weiter auf sein Kursziel (0,9205) zubewegt. Im Rahmen dieses bullishen Szenarios darf nun 0,9045 nicht mehr unterschritten werden.

CHF

EUR CHF (1,1420)

Die Entspannung im Nordkorea-Konflikt ließ den Euro gestern fast bis auf 1,1480 steigen. Ein Test der jüngsten Spitze bei 1,1535 (darüber sogar 1,1690) liegt nach der jüngsten Stabilisierung wieder im Bereich des Möglichen. Jedoch darf hierzu die 1,1360er Marke nicht mehr unterschritten werden.

PLN

EUR PLN (4,2910)

Gestern lieferte der Euro gegenüber dem Zloty zwar die größte Tageshandelsspanne seit Ende Juli ab, doch überbot er die Spitze der vergangenen Woche nur um eine Winzigkeit. Die Ziele bei 4,3060 (und darüber 4,3170) behält die Einheitswährung aber weiter im Blick. Die Unterstützung, die in diesem Zusammenhang nicht mehr verletzt werden sollte, heben wir nun auf 4,2640 an.

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