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Euro-Volatilität weiß zu überraschen

USD

EUR USD (1,2215)

Spätestens heute dürften die meisten Akteure wieder aus dem Weihnachtsurlaub zurückgekehrt, die Finanzmärkte also wieder hinreichend mit Teilnehmern und Liquidität ausgestattet sein. Wer nach der Feiertagspause seinen ersten Arbeitstag antritt, dem wird die hohe Aktivität und Volatilität an den Devisen- und Anleihemärkten auffallen. Vergangenen Freitag verbuchte der Euro den größten Tagesgewinn seit mehr als sechs Monaten und erreichte gegen den US-Dollar das höchste Niveau seit mehr als drei Jahren. Nicht ganz so spektakulär, aber dennoch beindruckend war der Anstieg der Anleiherenditen im Euroraum und in den USA. Die jüngsten Bewegungsimpulse bei Währungen und Zinsen sind eng miteinander verknüpft. Insbesondere mit der Volatilität am Devisenmarkt haben zum Jahresauftakt jedoch die wenigsten Analysten gerechnet. Im Gegenteil, vor kurzem wurde noch eifrig darüber diskutiert, dass sich in den vergangenen neun Monaten eine „anhaltend niedrige“ Schwankungsintensität messen ließ und sich dieser „Trend“ im neuen Jahr wahrscheinlich fortsetzen könne. Notenbanken würden ihren geldpolitischen Wechsel ohnehin nur langsam vollziehen, und solange die Inflation überschaubar bliebe, könnten einzelne Ereignisse bestenfalls „temporäre Auswirkungen“ auf die Kursvolatilität haben, so der Tenor in vielen Analystenaussagen. Letztere waren kaum ausgesprochen, als man eines Besseren belehrt wurde.

Es wäre ein Irrtum, den Grund für den Euro-Kurssprung im Datenkalender des vergangenen Freitags zu suchen. Zwar wurden Wirtschafts- und Inflationszahlen in den USA bekanntgegeben, aber die zeigten lediglich einen Anstieg der Einzelhandelsumsätze im Dezember an, der den Erwartungen entsprach, sowie eine Inflation, die sich abschwächte und auf Jahresbasis um 0,1 Prozent schrumpfte. Zudem vollzog der Euro den größten Teil seiner Aufwärtsbewegung während der europäischen Handelsphase. Die Gewinne der vergangenen Woche sind somit als Überraschungseffekt zu werten, was wiederum dem Inhalt des jüngsten EZB-Protokolls geschuldet ist. Der Euro-Anstieg riecht förmlich nach Stop-Loss-Aktivität und stellt vermutlich eine Mischung aus den jüngsten Doppelhoch-Spekulationen, niedriger Volatilität zu Jahresbeginn und besagtem EZB-Protokoll dar. Dieser explosive Mix sollte reichen, die Gemeinschaftswährung weiter nach oben zu hebeln. Da unser Kursziel bei 1,2160 problemlos überwunden wurde, trauen wir dem Euro nun Gewinne bis 1,2360/70 zu. Das bullishe Szenario setzt voraus, dass Rückschläge sich nicht bis unterhalb von 1,2030 ausdehnen.

CHF

USD CHF (0,9660)

Analysten sind derzeit der Meinung, dass von allen Notenbanken, die in Zukunft einen Kurswechsel ihrer ultralockeren Ausrichtung anzustreben versuchen, die SNB die letzte sein wird, die wieder zurück auf ein „normales“ geldpolitisches Niveau finden wird. Bewegt sich die Schweizer Notenbank nämlich als erste, würden Investoren aus Europa und den USA wahrscheinlich schneller den Weg in die Schweiz finden, als es der SNB lieb wäre und den Franken noch in die Höhe treiben. Was dann passieren kann, zeigte sich eindrucksvoll am Freitag, als der Dollar stramm in Richtung unseres Kurzieles von 0,9655 (Auslöser für Schwäche auf 0,9565) fiel. Zur Stabilität zurückzufinden dürfte kurzfristig nicht machbar sein, da bei Erholungen reichlich Angebot bei 0,9725 und 0,9770 wartet.

CHF

EUR CHF (1,1795)

Wie erwartet fühlte sich der Euro am Freitag von der Oberkante seiner Konsolidierungszone (1,1660 - 1,1780) angezogen und hat diese sogar verlassen können. Damit verengt er weiter die Differenz, die sich zur 1,2010er Spitze des monströsen Handelstages aus Mitte Januar 2015 ergibt. Dieses Niveau scheint eine gewisse „Magnetwirkung“ auf den Markt auszustrahlen, und tatsächlich ist der Euro in der Lage, diese Marke wieder zu erobern. Davor wartet aber zunächst noch Zwischenwiderstand bei 1,1850 und 1,1930. Auf der Unterseite stellt 1,1730 die Demarkationslinie der neuen Aufwärtsbewegung dar.

GBP

EUR GBP (0,8885)

Bislang war Finanzminister Philip Hammond dafür bekannt, einer der europafreundlichsten Minister der britischen Regierung zu sein. Was man von ihm in einem am Wochenende veröffentlichten Interview der Welt am Sonntag zu lesen bekam, wirkte jedoch ziemlich ungehalten. Aus Europa bekäme er „nur Rückwärtsgerichtetes“ zu hören. Allen Hoffnungen, die Briten könnten einen Rückzieher aus dem Brexit machen, erteile er eine Absage – man werde die EU definitiv verlassen. Sich auf andere Szenarien einzustellen tat er als „Illusion“ ab. Der Euro machte Freitag kurz vor unserer Widerstandszone, die zwischen 0,8940 und 0,8965 verläuft, kehrt. Ein erneuter Anlauf ist wahrscheinlich, jedenfalls solange die 0,8805er Unterstützung gewahrt bleibt.

PLN

EUR PLN (4,1690)

Die Volatilität im Zloty hielt sich zum Wochenende hin in engen Grenzen. Dem Euro droht aber – solange die 4,1960er Hürde steht – weiterhin Schwäche. Unterhalb von 4,1610 ist von einem Rückfall auf das jüngste Tief (4,1405) auszugehen.

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