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Trump lässt Dollar schwächeln

USD

EUR USD (1,1710)

Der Euro hat gestern eine kleine Pause im Abwärtstrend eingelegt. Allerdings nicht aus eigener Stärke, sondern aufgrund einer Dollarschwäche, die den Markt gestern zeitgleich mit einer Ankündigung Donald Trumps ereilte. Der US-Präsident hatte nämlich kurzerhand das Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un am 12. Juni in Singapur abgesagt. Ob dies der wahre Grund für die leichte Schwäche des Greenback war, bleibt allerdings offen. Es gibt nämlich auch noch ein anderes Argument, warum der Dollar gestern nicht punkten konnte. Und der könnte im am Mittwoch veröffentlichten Protokoll zur Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank zu finden sein. Dessen Wortlaut wurde nämlich zunächst von vielen Akteuren als leicht falkenhaft interpretiert. Allerdings zeigen die jüngsten Berechnungen des CME FedWatch Tools, dass die Wahrscheinlichkeit einer US-Zinserhöhung im Juni nicht wie zuvor bei 100 Prozent geblieben, sondern auf 92 Prozent abgesunken ist. Auch die Wahrscheinlichkeit von vier Zinserhöhungen in diesem Jahr war von über 50 Prozent vor einer Woche zeitweise auf rund 35 Prozent gesunken! Mit anderen Worten: Die Marktteilnehmer haben sich anders positioniert, als Beobachter es ursprünglich vermutet hatten. Für die Euro-Händler gab es gestern außerdem noch das Protokoll der EZB-Sitzung vom 26. April zu begutachten. Allerdings enthielt die Zusammenfassung (die so genannten Accounts) keinerlei Überraschungen. Offenbar hatte der EZB-Rat auch nicht über das kommende, im Juni stattfindende Treffen diskutiert, von dem sich die Marktteilnehmer vormals eine Entscheidung zur Beendigung des Anleihekaufprogramms erhofft hatten. Dieser Zeitpunkt wird daher endgültig in die zweite Jahreshälfte verschoben werden müssen.
Interessanterweise hat es gestern dem Euro nicht geschadet, dass die Trump-Administration nunmehr auf Importe von Kraftfahrzeugen einen Zoll von bis zu 25 Prozent erheben will. Eine Maßnahme, die vor allen Dingen europäische und japanische Autobauer betreffen würde. Dennoch bleibt der Euro im Abwärtstrend, innerhalb dessen nunmehr Kursrückgänge bis 1,1620 möglich sind. Auf der anderen Seite wird die Trendgeschwindigkeit erst oberhalb von 1,1860 deutlicher reduziert, während der Punkt für eine erste Stabilisierung nunmehr bei 1,1960/65 anzusetzen ist.

USD

USD CHF (0,9920)

Dass der Greenback gestern einen schwachen Tag hatte, machte sich auch im Verhältnis zum Franken bemerkbar. Ohne dass es wichtige ökonomische Daten gab, schien der Franken gegenüber dem Dollar vermutlich wegen der Absage des Treffens zwischen dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump gesucht zu sein. Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine überraschende Bewegung, sondern nach wie vor um die Fortführung einer ohnehin vorherrschenden Korrekturphase des Dollar, die sich auch noch bis 0,9820 hinziehen kann. Auf der anderen Seite wäre die Korrektur nun mit Überschreiten von 0,9980 beendet.

GBP

EUR GBP (0,8755)

Als gestern Vormittag die britische Zeitung The Times mit einem Artikel aufhorchen ließ, wonach Premierministerin Theresa May angeblich die EU um eine weitere Brexit-Übergangsperiode bis zum Jahr 2023 bitten wolle, hätte man zumindest mit einer leichten Pfund-Reaktion rechnen können. Diese blieb jedoch womöglich deshalb aus, weil Regierungskreise den Beitrag der Times später dementierten. Was ökonomische Daten angeht, scheint es in Großbritannien auch einmal eine positive Überraschung zu geben. Denn die Einzelhandelsumsätze wussten im April – auch in der Kernrate ohne Autos und Treibstoffe – durchweg zu überzeugen. Auch wenn es sich am Ende nur um ein einzelnes Datum handelt, ist es vor allen Dingen der Kontrast zu den während der vergangenen Wochen publizierten, fast durchweg negativen Wirtschaftsdaten, der die Akteure wachgerüttelt hat. Allerdings relativierte das Statistikamt ONS die gute Nachricht, indem es erklärte, die längerfristige Entwicklung der Einzelhandelsumsätze bliebe trotz der jüngsten Daten gedämpft. Und damit sind auch die Erwartungen an eine Leitzinserhöhung der Bank of England im August bzw. November unverändert geblieben. Am Ende verharrt der Euro gegenüber Sterling weiterhin in seiner Seitwärtsentwicklung zwischen 0,8620 und 0,8845.

EUR

EUR CHF (1,1620)

Die Fluchtbewegung in den Schweizer Franken hat sich gestern etwas abgeschwächt. Obgleich sich der Anführer der italienischen Lega Nord, Matteo Salvini, erneut für den als Euro-kritisch geltenden Wirtschaftswissenschaftler Paolo Savona als Finanzminister stark gemacht hatte. Gut möglich, dass bei Nachrichten aus Italien mittlerweile in gewisser Gewöhnungsprozess eingesetzt hat. Allerdings bleibt der Euro im Abwärtstrend, der sich unterhalb von 1,1580 bis auf 1,1475 fortsetzen kann. Der Stabilisierungspunkt dieses kurzfristigen Trends liegt nun tiefer bei 1,1745.

PLN

EUR PLN (4,3080)

Etwaige Zinserhöhungsfantasien, wie sie gestern das Mitglied des Geldpolitischen Rates der Polnischen Nationalbank, Kamil Zubelewicz, durchblicken ließ, haben dem Zloty nicht geholfen. Jener hatte nämlich gegenüber der Nachrichtenagentur PAP geäußert, es wäre ein guter Zeitpunkt, den Leitzins von derzeit 1,5 auf 2 Prozent anzuheben, um etwaiger Inflationsgefahren frühzeitig Herr zu werden. Und so bleibt beim Euro alles beim Alten: Wir gehen weiter davon aus, dass die Gemeinschaftswährung 4,3300 erreichen kann – jenseits davon wäre auch weitergehende Stärke in Richtung 4,3550 angesagt. Dies nun unter der Voraussetzung, dass 4,2650 nicht mehr unterlaufen wird.

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