Globale Themen

EUR

Wichtigste Ereignisse des asiatischen Handelstages/Eröffnung des europäischen Handels 

  • EUR/USD stieg mit 1,0747 USD auf ein neues bisheriges Monatshoch, da der US-Konjunkturbericht der Fed (Beige Book) gestern die Marktteilnehmer nicht überzeugte und auch der Rückgang der Rohölpreise den US-Dollar belastet.
  • EUR/JPY ist wieder über die Marke von 117 JPY gestiegen, da sich die geopolitischen Spannungen gelegt haben und es scheint, als könnte eine einseitige Intervention der USA in Nordkorea ausgeschlossen werden.
  • Für heute ist ein Treffen zwischen US-Präsident Trump und dem italienischen Premierminister Gentiloni angesetzt.
  • Rohölbasierte Währungen wie CAD und NOK geben infolge des 3,5-prozentigen Rückgangs der Rohölpreise weiter nach

Wichtigste Konjunkturdaten des Tages 

Japan (01:50 Uhr) – Handelsbilanz (März) – Konsensprognose 576 Mrd. JPY gegenüber 813 Mrd. JPY im Vormonat

USA (16:00 Uhr) – Philly Fed Index (Geschäftsklimaindex) – Konsensprognose 25,0 gegenüber 32,8 bei der letzten Veröffentlichung

Eurozone (16:00 Uhr) – vorläufiger Verbrauchervertrauensindex (April) – Konsensprognose -4,8 gegenüber -5,0 im Vormonat

Vereinigtes Königreich (17:30 Uhr) – Stellungnahme von Mark Carney in Washington

Frankreich (20:00 Uhr) – letzte TV-Sendung zu den Präsidentschaftswahlen vor dem 1. Wahldurchgang (France 2)

Schwerpunkte am Vortag

Rückgang der Inflation in der Eurozone bestätigt, doch EZB-Vertreter sind sich weiter uneins; Beige Book der Fed sendet positives Signal für weitere Leitzinserhöhung; vorgezogene britische Parlamentswahlen vom Parlament abgesegnet; Rohölpreise verzeichnen Einbruch um 3,5%

Eurozone: Wenig überraschend fiel die 2. Schätzung der Gesamtinflation der Eurozone für März entsprechend der Konsensprognose aus, d.h. sie entsprach der vorherigen Schätzung. Das Wachstum der Verbraucherpreise betrug demnach 1,5% im Jahresvergleich. Es fiel somit geringer aus, als das im Februar verzeichnet Wachstum von 2%. Zwar wirkt die Inflation in der Eurozone ein wenig instabil, doch scheinen die Entscheidungsträger der EZB die derzeitige Lage der Eurozone dennoch unterschiedlich zu beurteilen. Zu den Optimisten zählt Benoît Coeuré, der erneute wirtschaftliche Rückschläge in diesem Wirtschaftsraum völlig ausschließt und eine baldige Normalisierung der äußerst expansiven Geldpolitik in der Eurozone für durchaus möglich hält. Im anderen Lager, in dem diejenigen angesiedelt sind, die gewisse Zweifel an der gegenwärtigen wirtschaftlichen Gesundheit der Eurozone hegen, befinden sich François Villeroy de Galhau, der Präsident der französischen Zentralbank (Banque de France) und der Chefökonomen der EZB Peter Praet. Sie sind der Ansicht, dass nach wie vor Baisse-Risiken in der Region bestehen und dass unter diesen Bedingungen der aktuelle geldpolitische Kurs nach wie vor angemessen ist. Zwar gehen die Marktteilnehmer davon aus, dass die EZB anlässlich ihrer Sitzung am 26./27. Mai 2017 eher vorsichtig taktieren wird, doch lassen die „optimistischen“ Äußerungen Coeurés durchaus die Vermutung zu, dass recht unterschiedliche Ansichten debattiert werden dürften.

USA: Der US-Konjunkturbericht der Fed (Beige Book) hat gezeigt, dass das Wachstum in den von der Studie abgedeckten zwölf Distrikten „mittelmäßig moderat“ ist. Betrachtet man die allgemeinen Anstiege der Löhne und Gehälter, die auf den Mangel an Arbeitskräften in bestimmten Bereichen zurückzuführen ist, signalisiert der Bericht, dass sich dieses Wachstum insgesamt nicht in einem deutlichen Anstieg der Inflation niederschlägt. Im Beige Book war kein Hinweis auf das Vorhaben zu finden, dass eine Reduzierung der Bilanzsumme der Fed geplant ist, obwohl dieses Thema seit einigen Wochen im Zentrum der Debatten steht. Somit lässt sich kaum einschätzen, ob die Fed kurzfristig den Leitzins ändern wird oder nicht. Man wird weitere Nachweise benötigen, dass sowohl das Wachstum als auch die Inflation in den USA schneller ansteigen. Die Marktakteure haben kaum auf die Veröffentlichung dieser Wirtschaftsanalyse der Fed reagiert. Vielmehr liegt die Wahrscheinlichkeit einer US-Leitzinserhöhung im Juni laut dem FedWatch Tool der CME Group nach wie vor bei unter 50%. 

Gestrige Performance EUR/USD: -0,21%; Tiefstkurs: 1,0698 USD; Schlusskurs: 1,0709 USD.

Vereinigtes Königreich: Das britische Parlament hat gestern mit einer überaus eindeutigen Mehrheit (522 Ja-Stimmen gegenüber 13 Nein-Stimmen) für vorgezogene Parlamentswahlen am 8. Juni 2017 gestimmt. Die Premierministerin hofft, ihre Mehrheit im Parlament im Zuge dieser Wahl zu erhöhen und damit mögliche Behinderungsversuche seitens der Brexit-Gegner unterbinden zu können. Derzeit verfügt die konservative Partei Theresa Mays im House of Commons lediglich über eine Mehrheit von 17 Sitzen (von insgesamt 650). Laut den aktuellen Umfragewerten könnte diese Mehrheit auf 150 Sitze steigen, was es der Regierung ermöglichen würde, die Austrittsverhandlungen mit den EU-Vertretern zu führen, ohne interne Konflikte und Druck befürchten zu müssen. Im Folgenden finden Sie zwei Abbildungen, die das aktuelle Kräfteverhältnis im britischen Parlament und die mögliche Entwicklung zeigt.

Gestrige Performance EUR/GBP: +0,35%; Höchstkurs: 0,8389 GBP; Schlusskurs: 0,8381 GBP

Rohöl: Die Rohölpreise sind gestern um 3,5 % eingebrochen. Der Brent-Index schloss den Tag auf dem bisher niedrigsten Stand des Monats unterhalb von 53 USD. Somit verzeichnete er im Verlauf der letzten fünf Handelstage einen Rückgang von insgesamt 5,9%. Gleichzeitig zeigen mehrere Umfragen, dass die Ölproduktion in den Industriestaaten, vor allem in den USA, gestiegen ist, was es den OPEC-Staaten und Russland erschwert, die weltweiten Lagerbestände zu senken und das Gleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot wieder herzustellen.

Gestrige Performance EUR/CAD: +0,63%; Höchstkurs: 1,4458 CAD (höchster Stand im April); Schlusskurs: 1,4441 CAD

Gestrige Performance EUR/NOK: +0,65%; Höchstkurs: 9,1945 NOK (höchster Stand im April); Schlusskurs: 9,1898 NOK 

Themen Heute

Stellungnahme Mark Carneys in Washington; Geschäftstätigkeit in Japan im Aufwärtstrend; erste internationale Preise für Donald Trump; letzte Chance der französischen Präsidentschaftskandidaten ihre Wähler zu überzeugen?

Mark Carney (BoE): Der britische Zentralbankchef, der sich derzeit anlässlich eines halbjährlich stattfindenden Seminars der Weltbank und des IWF, an dem die Finanzminister und Zentralbankchef der führenden Wirtschaftsmächte der Welt teilnehmen, in Washington aufhält, wird um 17:30 Uhr einen Vortrag halten. Bei dieser Gelegenheit könnte Carney auf die jüngsten wirtschaftlichen Veröffentlichungen zurückkommen, die eine gewisse anhaltende Widerstandskraft der britischen Wirtschaft belegen, und dabei auch die von der Zentralbank verfolgte Strategie in Sachen Geldpolitik darlegen.

Japan: Japans Exporte sind im Jahresvergleich bereits den zweiten Monat in Folge um über 10% gestiegen (12,0% J/J im März gegenüber erwarteten 6,7 % und 11,3 % im Februar). Es handelt sich dabei um das stärkste Wachstumstempo seit Januar 2015. Der Handelsbilanzüberschuss ist gegenüber dem Vormonat ein wenig gesunken, da die Importe deutlich gestiegen sind (+15,8 % J/J im März). Dennoch ist er nach wie vor hoch (615,0 Mrd. JPY gegenüber 813,5 Mrd. JPY im Februar). Die erfolgreichen Zahlen aus dem Handel belegen, dass sich die japanische Wirtschaft zu Beginn dieses Jahres in ausgezeichneter Form befindet und bestätigt einen weltweiten Anstieg der Nachfrage, wie das kräftige Wachstum der chinesischen Wirtschaft im 1. Quartal 2017 mit 6,9 % J/J bereits vermuten ließ.

Donald Trump: Für seine erste Auslandsreise seit seinem Amtsantritt begibt sich der US-Präsident nach Sizilien, wo er auf Italiens Premierminister Paolo Gentilini trifft. Bei dieser Gelegenheit könnte über eine mögliche NATO-Strategie in Bezug auf Syrien und Nordkorea gesprochen warden.

Frankreich: Heute Abend wird ab 20:00 Uhr, zu einer der Hauptsendezeiten, auf France 2 die letzte politische Sendung vor dem am Sonntag stattfindenden ersten Durchgang der französischen Präsidentschaftswahlen ausgestrahlt. Sollte es in der letzten Minute keine Überraschungen geben, sollten die gesamten elf Kandidaten vertreten sein. Im Gegensatz zu den beiden vorherigen TV-Debatten, in denen nur die fünf Hauptkonkurrenten um das Amt in Élysée-Palast vertreten waren, handelt es sich diesmal nicht um eine Debatte der Kandidaten untereinander, sondern um ein Interview von 15 Minuten mit den politischen Journalisten des Senders, in dessen Verlauf die Kandidaten versuchen werden, die noch unentschlossenen Wähler zu überzeugen. Eine gestern von Cevipof veröffentlichte Umfrage ergab, dass sich ein Viertel der Wahlberechtigten noch nicht auf einen Kandidaten festgelegt hat. Da die Umfrageergebnisse der vier Hauptkandidaten immer näher aneinanderrücken, zählt nun jede Stimme. Jean-Luc Mélenchon wird den Abend um 20:00 Uhr eröffnen, während François Fillon den Abend abschließen wird.

Geplanter Ablauf:

20:00 Uhr Jean-Luc Mélenchon

20:15 Uhr Nathalie Arthaud 

20:30 Uhr Marine Le Pen

20:45 Uhr François Asselineau

20:00 Uhr Benoît Hamon

21:15 Uhr Nicolas Dupont-Aignan

21:30 Uhr Philippe Poutou

21:45 Uhr Emmanuel Macron

22:00 Uhr Jacques Cheminade

22:15 Uhr Jean Lassalle

22:30 Uhr François Fillon

CHF:

Es bleibt uns nur zu wiederholen, was in den letzten Tagen und Wochen bereits gesagt wurde. Da der Euro für die Anleger nach wie vor wenig attraktiv ist und die Anleger bereits kräftig Schweizer Franken gekauft haben, um sich vor eventuellen Unruhen an den Devisenbörsen nach dem ersten Wahldurchgang in Frankreich zu wappnen, ist die Volatilität des Kurses des Währungspaars EUR/CHF nach wie vor gering bzw. gleich Null. Da sich die Anleger im Vorfeld dieses großen Ereignisses abwartend verhalten, notiert das Währungspaar EUR/CHF weiterhin im Bereich von 1,0680 CHF und reagiert sensibel auf kurzfristige Kursanstiege von EUR/USD (Möglichkeit einer Übertretung der Schwelle von 1,07 CHF beim Währungspaar EUR/CHF). Es sei darauf hingewiesen, dass mit dem Näherrücken des ersten Wahldurchgangs in Frankreich auch die implizite 1-Wochen-Volatilität bei EUR/CHF schrittweise steigt.

EUR:

Aufgrund einer leichten Erholung des US-Dollar verzeichnete EUR/USD gestern einen ganz leichten Rückgang. Dennoch hält sich der Kurs derzeit im Bereich seiner April-Höchststände, oberhalb der Marke von 1,07 USD. In Anbetracht der bevorstehenden französischen Wahlen ist beim Euro eine gewisse Trägheit zu beobachten, da die Anleger sich vor Bekanntgabe der Ergebnisse des ersten Wahldurchgangs, dessen Ausgang sehr ungewiss ist, eher abwartend verhalten. Heute Abend haben die elf Kandidaten die Gelegenheit, die noch unentschlossenen Wähler in einer politischen Sendung in der Hauptsendezeit für sich zu gewinnen (siehe auch Schwerpunkte des Tages). Insgesamt dürften die Kursschwankungen bei EUR/USD bis Sonntag vor allem von der Bewertung des US-Dollar abhängen, wie sich auch beim unerwarteten Anstieg des Kurses am Dienstag zeigte.

USD:

Der US-Konjunkturbericht der Fed (Beige Book) ließ kaum Rückschluss auf die nächsten Entscheidungen der Fed zu, wobei der neutrale Ton möglicherweise die Strategie einer schrittweisen Normalisierung der Zinsen im Land vermuten lässt, was die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung vor Ablauf des zweiten Halbjahres eher reduziert. Nachdem der Leitzins innerhalb von drei Monaten zweimal erhöht wurde, scheint sich das Wachstum der US-Wirtschaft nicht in dem erhofften, kräftigen Maße fortzusetzen. Zudem ist nicht auf zusätzlichen Rückenwind aus dem Weißen Haus zu hoffen, da die Umsetzung der von Donald Trump angekündigten Wirtschaftsreformen wohl mehr Zeit in Anspruch nehmen wird als ursprünglich erwartet. Es scheint nicht, als rechtfertige der aktuelle wirtschaftliche und geopolitische Kontext in unmittelbarer Zukunft eine erneute Leitzinserhöhung. Zumindest nicht ohne weitere deutliche Hinweise auf einen Anstieg des Wirtschaftswachstums und der Inflationsrate. Der US-Dollar hat heute Morgen erneut nachgegeben und notiert im Bereich der bisherigen Tiefststände dieses Monats. Man wird mit Interesse die Gespräche zwischen dem US-Präsidenten und dem italienischen Premierminister verfolgen, die anlässlich der ersten offiziellen Reise Donald Trumps seit seinem Amtsantritt geführt werden.

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