Globale Themen

Italien immer teurer

USD

EUR USD (1,1700)

Die Risikoaversion der Akteure an den Devisenmärkten ist auch gestern unvermindert gestiegen. Dabei wird offenbar einigen Marktteilnehmern erst seit wenigen Tagen die Tragweite der Maßnahmen bewusst, die die neue Regierung in Italien plant. Alleine die Kosten für die im Koalitionspapier festgehaltene Steuerreform, die Revision der Rentenreform und das bedingungslose Grundeinkommen scheinen von Tag zu Tag immer höher zu werden. Mittlerweile soll alleine die Rücknahme der Rentenreform Experten zufolge 170 Milliarden Euro kosten – das ist weitaus mehr, als nach Berechnungen noch vor Wochenfrist alle Reformvorhaben zusammen kosten könnten. Eine Form von Übertreibung also? Zumindest reflektieren die ständig steigenden Kostenberechnungen eine Grundangst von Experten und Ökonomen: Aus Italien könnte eine Finanzkrise hervorgehen.
Vor diesem Hintergrund wirkte der Auftritt von EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré fast schon gelassen. Zwar warnte er Italien vor einer weiteren Verschuldung, ist aber davon überzeugt, dass sich die wirtschaftliche Wachstumsphase in der Eurozone fortsetzen wird und deswegen die Anleihekäufe nicht verlängert werden müssten. Auf der anderen Seite schloss Cœuré ein abruptes Ende der Anleihekäufe Ende September allerdings aus. Die verbreitete Hoffnung, dass es sich beim schleppenden Wachstum im ersten Quartal in der Eurozone nur um eine Delle handeln könnte, erhielt gestern unterdessen einen kräftigen Dämpfer. Denn nicht nur die Einkaufsmanager-Indices Deutschlands, sondern auch diejenigen der Eurozone blieben allesamt hinter den Erwartungen zurück. Und so gehen Beobachter mittlerweile davon aus, dass es sich bei den recht mäßigen Wachstumszahlen des ersten Quartals wahrscheinlich nicht um einen kurzzeitigen Einbruch im Wachstumstrend, sondern um eine anhaltende Verlangsamung handeln könnte.
Keine wesentlichen Überraschungen gab es im Protokoll der Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) vom 1./2. Mai, das insgesamt als leicht falkenhaft interpretiert werden kann. Am Ende geriet der Euro gestern abermals derart unter die Räder, dass mit 1,1675 ein neues Jahrestief markiert wurde. Allerdings rechnen wir weiterhin mit Kursrückgängen, die auch das untere Ende des derzeitigen Trends bei 1,1630/35 berühren können. Auf der anderen Seite ist das Euro-Angebot in der unmittelbaren Umgebung weitgehend abgeräumt, so dass mit einem Momentum-Verlust des Trends sogar erst oberhalb von 1,1885 (modifiziert) gerechnet werden kann. Der Stabilitätspunkt liegt unterdessen etwas niedriger als am Vortag bei 1,1960/65.

USD

USD CHF (0,9960)

Was die Einkaufsmanager-Indices in den USA angeht, gab es vor allen Dingen bei den Dienstleistern eine positive Überraschung. Gut möglich, dass der Dollar sich deswegen gegenüber dem Franken etwas erholen konnte. Allerdings ist mit einem Ende der Korrekturphase des Greenback (sie kann immer noch bis 0,9820 reichen) erst nach Überschreiten von 1,0010 zu rechnen.

GBP

EUR GBP (0,8755)

Der Euro musste gestern eine relativ volatile Phase hinnehmen, obgleich die Handelsbandbreite von 60 Stellen relativ überschaubar blieb. Grund: Die Entwicklung der britischen Inflation ist im April, gemessen am Konsumentenpreisindex, mit einem Plus von 2,4 Prozent im Jahresvergleich, aber auch hinsichtlich der Kernrate (2,1 Prozent) hinter den Median-Erwartungen der Ökonomen zurückgeblieben. Aber die Finanzmarktteilnehmer nahmen die Zahlen am Ende relativ gelassen hin, zumal Beobachter abermals von einem Oster-Effekt sprachen: Eine der Hauptursachen für die enttäuschenden Inflationsdaten seien die fallenden Preise für Flugtickets gewesen, hieß es. Die implizite Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinserhöhung im August beträgt nun etwa 50 Prozent, während die Chance für einen derartigen Schritt im November nunmehr auf 70 Prozent (nach zuvor 80 Prozent) gefallen ist. Per Saldo blieb der Euro gegenüber dem Pfund etwa auf dem Vortagesniveau und bewegt sich weiterhin seitwärts im Rahmen seiner Konsolidierung zwischen 0,8620 und 0,8845.

EUR

EUR CHF (1,1635)

Die Flucht in den Schweizer Franken hält weiterhin an. So musste gestern der Euro erneut einen herben Verlust hinnehmen. Tatsächlich hat die Gemeinschaftswährung nun seit Montag der vergangenen Woche, also zu dem Zeitpunkt, als sich in Italien das neue Regierungsbündnis aus Lega Nord und Fünf-Sterne-Partei herauskristallisierte, bis zu 400 Punkte gegenüber dem Franken verloren. Mit Unterlaufen von 1,1650 ist nun gestern gleichzeitig ein neuer Abwärtstrend etabliert worden, der sich unterhalb von 1,1580 auch bis auf 1,1475 fortsetzen kann. Eine Stabilisierung des Euro ist frühestens mit Überschreiten von 1,1770 zu erwarten.

PLN

EUR PLN (4,3050)

Auch wenn die osteuropäischen Valuten im Rahmen der Emerging-Markets-Schwäche erneut Kursverluste hinnehmen mussten, ist es dem Euro bisher nicht gelungen, die nächste Marke im Rahmen des bullishen Szenarios bei 4,3300 zu erreichen. Jenseits davon erwarten wir sogar noch weitergehende Stärke in Richtung 4,3550. Dies nach wie vor unter der Prämisse, dass 4,2500 nicht mehr unterlaufen wird.

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