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Wenn ungenannte Quellen sprudeln

USD

EUR USD (1,1720)

Wieder einmal waren es so genannte "mit der Angelegenheit vertraute Quellen", die gestern Abend dem Euro nach dem Ende der europäischen Handelssitzung geholfen haben könnten. Obgleich man sich auf diese nicht genannten Quellen keinesfalls verlassen kann, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg, dass sich die EZB bereits bei ihrer kommenden Sitzung am 14. Juni nach Angaben offizieller Vertreter mit dem Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm beschäftigen werde. Diese Meldung ist insofern überraschend, als die meisten Akteure damit gerechnet haben dürften, dass bei dieser Sitzung noch keine Entscheidung über die Beendigung der Programme anstehen werde. Obwohl der Bericht mit dem Hinweis schließt, dass die nächste Zusammenkunft des EZB-Rates am 14. Juni auch ohne konkrete Entscheidung enden könnte, haben einige Händler dies als Kaufsignal für den Euro interpretiert.
Zuvor war es eigentlich die Antrittsrede von Italiens Premier Giuseppe Conte, die von den Marktteilnehmern mit Spannung erwartet worden war. Nicht nur, um etwas über einen möglichen anti-europäischen Kurs der neuen Regierung zu erfahren. Vielmehr muss Conte die Interessen der beiden Koalitionsparteien Lega Nord und Fünf-Sterne-Partei unter einen Hut bringen. Während nämlich letztere sich vor allen Dingen für die Armen des Landes und damit für eine schnelle Umsetzung des bedingungslosen Grundeinkommens ausspricht, geht es der Lega Nord in erster Linie um eine baldige Einführung der zweistufigen Pauschalsteuer auf Einkommen und Gewinne. Auch wenn Conte es in seiner Rede vor der Vertrauensabstimmung im Senat vermied, hinsichtlich eines Termins für diese beiden Vorhaben konkret zu werden, wurde den Akteuren vor Augen geführt, dass die Regierungskoalition für die Finanzierung der versprochenen Vorhaben die Neuverschuldung drastisch hochfahren muss und damit gegen die EU-Haushaltsregeln verstößt. Die Finanzmärkte reagierten umgehend mit anziehende Renditen bei den italienischen Staatsanleihen und einem leicht sinkenden Euro.
Die Gemeinschaftswährung bekam aber auch Gegenwind von überraschend positiv ausgefallenen US- Daten. So war der US-ISM-Einkaufsmanager-Index außerhalb der Industrie deutlich besser ausgefallen als von den meisten Ökonomen prognostiziert. Damit dürfte die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung der US-Notenbank in der kommenden Woche bei 100 Prozent liegen. Am Ende hat sich der Euro im Rahmen seines Abwärtstrends gut geschlagen und tut sich schwer, diesen mit Dynamik fortzusetzen. Vielmehr könnte sich die Gemeinschaftswährung nun relativ schnell nach Überschreiten von 1,1740/45 nicht nur stabilisieren, sondern auch die Bahn für stärkere Korrekturen in Richtung 1,1855 eröffnen. Solange dies nicht geschieht, bleibt das Risiko für erneute Kursrückgänge (1,1595 bzw. 1,1445) bestehen.

USD

USD CHF (0,9850)

Dass der US-Dollar nach positiven Wirtschaftsdaten gestern nicht wirklich punkten konnte, mag vielleicht an einem geplanten Gesetzesentwurf einer Gruppe republikanischer und demokratischer US-Senatoren liegen. Diese will nämlich so schnell wie möglich ein Gesetz einbringen, wonach Donald Trump (oder auch jeder andere US-Präsident) künftig die Zustimmung des Kongresses benötigt, bevor Zölle aus Gründen der nationalen Sicherheit – auf die sich Trump jüngst berief – erlassen werden können. Gegenüber dem Franken setzte der Greenback daher seine abwärts gerichtete Korrektur fort, die sich nun sogar bis 0,9755 erstrecken kann. Im Gegenzug wäre das Ende der Korrektur nunmehr nach Überschreiten von 0,9925 angezeigt.

GBP

EUR GBP (0,8740)

Obwohl vorgestern britische Medienberichte davon ausgingen, dass Theresa May einen konkreten Plan präsentieren würde, um die festgefahrenen Brexit-Verhandlungen wieder in Schwung zu bringen, ist alles anders gekommen. Die britische Premierministerin hat stattdessen ihr Vorhaben, den EU-Regierungschefs einen detaillierten Plan zur künftigen Beziehung zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU noch vor dem Brüsseler Gipfel Ende dieses Monats vorzulegen, fallen gelassen. So ließen Regierungsvertreter gestern durchblicken, Theresa May plane nun erst nach dem Gipfel ein 150 Seiten umfassendes Weißbuch zu präsentieren. Die Enttäuschung war nicht nur innerhalb des Regierungslagers, sondern auch unter wichtigen britischen Konzernlenkern unüberhörbar. Dennoch schienen viele Händler mit einer derartigen Neuigkeit gerechnet zu haben, denn die Reaktion von Sterling auf die jüngsten Wirtschaftsdaten fiel wesentlich deutlicher aus. Nachdem die britischen Einzelhandelsumsätze im Mai (BRC) bereits in der Nacht gegenüber dem schwachen Vormonat erheblich stärker ausgefallen waren, überraschte später auch der Einkaufsmanagerindex der Dienstleister (Markit/CIPS) positiv. Am Ende blieb der Euro aber in seiner Seitwärtsspanne zwischen 0,8620 und 0,8845.

CHF

EUR CHF (1,1545)

Die temporär zurückgekehrte Risikoaversion einiger Marktteilnehmer hat sich nicht im Verhältnis des Euro zum Franken niedergeschlagen. Jener tritt nun bereits seit einer Woche quasi auf der Stelle und muss nach wie vor 1,1645 überwinden, um seinen Abwärtstrend verlassen zu können. Die Unterseite bleibt immer noch schlecht unterstützt, wobei gute Nachfrage erst bei 1,1425 zu erwarten wäre.

PLN

EUR PLN (4,2780)

Ohne Einwirkung ökonomischer Daten hat sich der Euro gestern gegenüber dem Zloty (und auch gegenüber anderen Währungen Osteuropas) weiter zurückgebildet. Damit hat der Aufwärtstrend des Euro sein Momentum fast komplett eingebüßt. Unterhalb von 4,2340 würde der Trend ganz zum Erliegen kommen und den Euro in eine neue Konsolidierungsphase überführen. Unterdessen kann die verloren gegangene Dynamik frühestens nach Überschreiten von 4,3100 wieder zurückgewonnen werden.

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