Globale Themen

Auch eine Frage der Wahrnehmung

USD

EUR USD (1,1800)

Der EZB-Rat will also am kommenden Donnerstag diskutieren, ob und wann das Anleihekaufprogramm beendet werden kann. Viele Akteure erhoffen sich sogar, dass nicht nur geredet, sondern auch entschieden wird. Und dies vor dem Hintergrund, dass man neuerdings innerhalb des EZB-Rates nicht nur davon ausgeht, das Inflationsziel werde schneller als gedacht erreicht, sondern auch eine robuste Konjunktur erwartet. Die verbreitete Vorstellung, dass es sich bei der nur wenig zufriedenstellenden Entwicklung während der vergangenen Monate nur um eine Wachstumsdelle handelt, erhielt gestern indes eigentlich einen Dämpfer: Die deutschen Zahlen zum Auftragseingang der Industrie waren miserabel ausgefallen. Allein die Händler schien es nicht zu interessieren. Vielmehr möchte man sich auch hinsichtlich der EZB-Sitzung am 14. Juni nicht auf dem falschen Fuß erwischen lassen. Etwaige Risiken werden dabei ausgeblendet.
Immerhin hat der Euro von seiner Mitte April gestarteten Abwärtsbewegung wieder gut ein Drittel wettgemacht – zwei Drittel dieser Erholung gehen übrigens auf die sich (nur in der Wahrnehmung der Marktteilnehmer) beruhigende Situation in Italien zurück. Natürlich war eine Regierungsbildung besser als Neuwahlen. Aber eben nur relativ. Vor dem Hintergrund, dass die Vorhaben der Koalition aus Lega Nord und Fünf-Sterne-Partei weit über 100 Milliarden Euro kosten könnten, verhalten sich Händler zurzeit ausgesprochen selbstbewusst. Aber der Haushaltsplan der neuen Regierung wird erst in der zweiten Septemberhälfte erwartet, so dass diese Problematik von den Euro-Händlern auch aufgrund von Gewöhnungseffekten derzeit nur eine untergeordnete Rolle spielt. Dass diese Risiken, die mit den Plänen der neuen europakritischen Regierung Italiens einhergehen, offensichtlich unterschätzt werden, zeigt etwa die Entwicklung der zweijährigen italienischen Staatsanleihen, deren Rendite sich während der vergangenen drei Tage auf 1,6 Prozent verdoppelt hat.
Auch scheinen die Marktteilnehmer derzeit noch nicht wahrhaben zu wollen, dass das heute beginnende G-7-Treffen der Staats- und Regierungschefs führender Industrienationen sicherlich nicht so harmonisch wie in den vergangenen Jahren ablaufen wird. Das dürfte alleine schon an der Präsenz von US-Präsident Donald Trump liegen, der bereits gestern verlauten ließ, er plane, einen konfrontativen Ton anzuschlagen.
Unterdessen hat der Euro seine korrektive Aufwärtsbewegung fortgesetzt, innerhalb derer er nach wie vor 1,1855 oder gar 1,1935/40 erreichen kann. Der Korrekturmodus bleibt erhalten, solange 1,1675 nicht verletzt wird.

USD

USD CHF (0,9800)

Dass der gestrige Handelstag nicht nur von Eurostärke, sondern auch von Dollarschwäche gekennzeichnet war, zeigt sich auch im Verhältnis des Greenback zum Franken. Ohne wichtige ökonomische Einflüsse fiel der Dollar sang- und klanglos durch unsere 0,9820er Unterstützung, an der er an den Tagen zuvor immer wieder scheiterte. Im gleichen Zuge hat sich das Risiko weiterer Abwärtskorrekturen in Richtung 0,9730 vergrößert. Ein Ende dieser Korrektur wäre nunmehr auf der anderen Seite nach Überschreiten von 0,9905 möglich. 

GBP

EUR GBP (0,8800)

Es muss gestern hoch hergegangen sein zwischen der britischen Regierungschefin Theresa May und ihrem Brexit-Minister David Davis, als sie über die Grenzfrage zwischen Irland und Nordirland diskutierten. Davis soll einmal sogar mit seinem Rücktritt gedroht haben. Am Ende, so wurde kolportiert, bleibe Davis doch im Amt, außerdem habe die britische Regierung einen (Notfall)-Plan (den so genannten "backstop"), eine Übergangsregelung in der Grenzfrage aufgestellt. Danach bliebe Großbritannien in der Zollunion mit der EU, solange keine andere Lösung in der Grenzfrage gefunden werde. Immerhin gibt es auf Drängen Davis' nun ein Enddatum für diese Bemühungen. So soll bis Dezember 2021 eine zukunftsfähige Lösung gefunden werden. Eine wichtige Frage bleibt indes offen: Was wird mit der Grenze zwischen Nordirland und Irland geschehen, sollte bis zu diesem Zeitpunkt keine Lösung gefunden worden sein? Immerhin: Chefunterhändler Michel Barnier begrüßt das Papier, sieht aber noch offene Fragen. Sterling hat diese unbefriedigende Lösung geschadet, und fast hätte der Euro die Obergrenze seiner wochenlangen Seitwärtsbandbreite bei 0,8845 getestet. Die Unterseite dieses Feldes liegt bekanntlich bei 0,8620.

CHF

EUR CHF (1,1580)

Wenig wird im Handel derzeit über die am Wochenende in der Schweiz stattfindende Volksabstimmung zur Vollgeldinitiative diskutiert. Immerhin gehen viele Beobachter davon aus, dass bei einem Erfolg des Referendums der Schweizer Franken zumindest kurzfristig deutlich unter Druck geraten könnte. Ansonsten blieb das gestrige Handelsgeschehen unauffällig, zumal die Schweizer Arbeitslosenquote wie von den meisten Ökonomen erwartet ausfiel. So verpasste es der Euro abermals, die wichtige Marke bei 1,1645 zu testen, nach deren Überwinden nicht nur der seit Mitte Mai begonnene kurzfristige Abwärtstrend beendet wäre. Danach könnten korrektive Gegenbewegungen die Gemeinschaftswährung zunächst auf 1,1665/70, darüber auch auf 1,1760 führen. Nach wie vor rechnen wir im Falle von Rücksetzern mit erster gute Nachfrage bei 1,1530. 

PLN

EUR PLN (4,2750)

Ohne wichtige ökonomische Daten aus Polen hat sich der Euro gestern marginal erholen können. Der vorherrschende Aufwärtstrend hat zwar so gut wie keine Kraft und würde unterhalb von 4,2340 ganz zum Erliegen kommen. Mehr Dynamik ist nach wie vor erst nach Überschreiten von 4,3050 zu erwarten. 

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