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EZB entscheidet und enttäuscht

USD

EUR USD (1,1570)

Als die Europäische Zentralbank gestern nach ihrer Sitzung die Presseerklärung veröffentlichte, sahen die ersten Zeilen beim schnellen Lesen eigentlich vielversprechend aus. Entgegen der Erwartung vieler Marktteilnehmer hatte der EZB-Rat über die Beendigung des Anleihekaufprogramms nicht nur diskutiert, sondern bereits gestern entschieden: Danach wird die Zentralbank noch bis Ende September Anleihen im Gegenwert von 30 Milliarden Euro und danach in der Größenordnung von 15 Milliarden Euro pro Monat ankaufen und schließlich zum Jahresende das Programm ganz einstellen. Allerdings ist geplant, Mittel aus fällig werdenden Wertpapieren, die innerhalb des Anleihekaufprogramms von der EZB erworben wurden, auch noch nach dessen Beendigung zu reinvestieren. Wer bis dahin gelesen hatte, wäre vermutlich zufrieden gewesen und hätte die ersten beiden Absätze des Statements als leicht falkenhaft eingestuft, obwohl darin eigentlich nichts wirklich Überraschendes zu entdecken war. Vielleicht hätte der eine oder andere sogar mit den Worten reagiert: „Das war doch schon längst fällig“.
Die tatsächliche Überraschung bestand jedoch für viele Marktteilnehmer darin, dass die EZB die Leitzinsen bis mindestens zum Ende des Sommers 2019, wenn nötig auch noch länger, auf dem gegenwärtigen Niveau belassen wird. Wer also damit gerechnet hatte, dass die EZB zur Jahresmitte oder gar im März 2019 bereits mit vorsichtigen Zinsanhebungen beginnen würde, wurde enttäuscht. Schwerer jedoch wiegt das Commitment der EZB-Entscheider, sich selbst bei einem günstig verlaufenden Inflations- bzw. Konjunkturverlauf an die Entscheidung von heute in jedem Fall halten zu wollen. Sollten sich indes Konjunktur und Inflation nicht wunschgemäß entwickeln, ist leicht vorstellbar, dass die Leitzinsen selbst nach dem Sommer 2019 nicht angehoben werden. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, als die Zentralbanker sich nie festlegen wollten, („we never pre-commit“) scheint man nun, ähnlich wie die Fed mit ihren Zinsprojektionen, mitteilen zu wollen, wann mit einer Leitzinsänderung frühestens zu rechnen sei.
Was die ökonomischen Prognosen angeht, ist die EZB immer noch zuversichtlich, dass das Wachstum in der Eurozone robust bleibt, allerdings wurde die Wachstumsvorhersage für 2018 gegenüber der Prognose vom März nun um 0,3 Prozentpunkte auf nunmehr 2,1 Prozent gesenkt. Im Gegenzug liegen die Inflationsprognosen für dieses und das kommende Jahr nunmehr um jeweils 0,3 Prozent höher bei 1,7 Prozent.
Nachdem es dem Euro kurz nach Veröffentlichung der Presseerklärung noch gelungen war, einen Sprung in Richtung 1,1850 zu produzieren, musste er in der Folge aufgrund der im Grunde doch eher taubenhaften Äußerungen der EZB einen schweren Schlag hinnehmen. Gleichzeitig wurde der aufwärts gerichtete Korrekturmodus der Gemeinschaftswährung beendet und der frühere Abwärtstrend wieder aufgenommen. Dieser reicht nun bis zum bisherigen Jahrestief bei 1,1505/10, darunter auch bis 1,1425/30. Eine Stabilisierung wäre unterdessen frühestens nach Überschreiten von 1,1850 möglich.

USD

USD CHF (0,9980)

Es ist kaum anzunehmen, dass die besser als erwartet ausgefallenen US-Einzelhandelsumsätze zum gestrigen Aufschwung des Dollar deutlich beigetragen haben. Immerhin ist es dem Greenback gelungen, seine Abwärtskorrektur nach zwei Wochen immer wieder vergeblichen Anrennens gegen eine wichtige Hürde bei 0,9900 jetzt endlich zu beenden. Damit ist der Aufwärtstrend des Dollar wieder aufgenommen und reicht nun zunächst bis 1,0055 und 1,0120. Um den Aufwärtstrend nicht zu gefährden, darf an der Unterseite 0,9820 ab sofort nicht mehr verletzt werden.

GBP

EUR GBP (0,8720)

Die königliche Hochzeit von Harry und Meghan im Mai hat offenbar einen positiven Einfluss auf die Entwicklung des britischen Einzelhandels ausgeübt. Dessen Umsätze lagen nämlich mit einem Plus von 3,9 Prozent (Kernrate ohne Autos und Treibstoffe +4,4 Prozent!) gegenüber dem Vorjahr deutlich über den Erwartungen der Ökonomen. Diese hatten offensichtlich auch nicht das außergewöhnlich gute Wetter im Mai – das ONS (Office for National Statistics) wies in seinem gestrigen Bericht explizit darauf hin – in ihren Erwartungen ausreichend berücksichtigt. Nun spricht man mancherorts sogar – zumindest für Juni und Juli – bereits von einem positiven Trend für den Einzelhandel dank der Fußballweltmeisterschaft. Sterling hat aber nicht nur deswegen gegenüber dem Euro zugelegt, der nicht zuletzt wegen der EZB-Entscheidung weit in die untere Hälfte seiner Konsolidierung zwischen 0,8695 und 0,8835 zurückgefallen ist.

CHF

EUR CHF (1,1530)

Die gestrige EZB-Sitzung hat naturgemäß natürlich auch die Entwicklung des Euro gegenüber dem Franken beeinflusst. Dabei ist die Gemeinschaftswährung unter die Untergrenze ihres ganz leicht steigenden Korrekturkanals bei 1,1555 gefallen. Damit hat die Gemeinschaftswährung, ihren früheren Abwärtstrend wieder aufgenommen, zunächst in Richtung 1,1475 und 1,1365.

PLN

EUR PLN (4,2820)

Die Revisionen zum Konsumentenpreisindex in Polen für den Monat Mai haben nur im Vergleich zum Vormonat ein leichtes Plus gebracht – die Jahresrate blieb mit 1,7 Prozent unverändert. Unverändert bleibt auch das Bild des Euro gegenüber dem Zloty, dessen lethargischer Zustand erst oberhalb von 4,3050 beendet sein dürfte. An der Unterseite drohen mit Unterschreiten von 4,2550 erste Rücksetzer im Rahmen einer neuen Konsolidierung bis 4,2300.

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