Globale Themen

Ein Durchbruch?

USD

EUR USD (1,1655)

Gestern gab es für den Euro durchaus positive Einflüsse zu vermelden. Dazu gehört der Vorschlag des US-Botschafters in Deutschland, Richard Grenell, der einem Medienbericht zufolge durchblicken ließ, Präsident Donald Trump könne möglicherweise seine angedrohten Zölle auf aus der EU importierte Kraftfahrzeuge und Ersatzteile fallen lassen. Und zwar unter der Voraussetzung, dass die EU ihrerseits importierte US-Kraftfahrzeuge ebenfalls von den Importsteuern befreie. Ob diese Neuigkeit tatsächlich den großen Durchbruch im Handelsstreit bringt, sei an dieser Stelle einmal dahingestellt. Aber allein der Kontrast zu den zuvor tagtäglichen Nachrichten über eskalierende Handelskriege sorgte dafür, dass diese Nachricht besonders positiv aufgenommen wurde. Dessen ungeachtet traten nun heute früh, wie von US-Präsident Donald Trump angekündigt, Importzölle auf chinesische Waren in Höhe von 34 Milliarden USD in Kraft.
Aber es gab auch Neues aus der EZB zu melden. Zwar nicht direkt von Ratsmitgliedern, aber am Mittwochabend hatten die so genannten „Quellen“ wieder einmal etwas mitzuteilen. Diese scheinen sich nämlich immer öfter zu melden, obwohl eigentlich niemand weiß, wer sich dahinter verbirgt und ein Interesse daran hat, eigentlich Vertrauliches ganz gezielt an die Öffentlichkeit zu lancieren. Diesen Quellen zufolge machen sich wohl einige EZB-Ratsmitglieder Sorgen, dass die Finanzmärkte nicht vor Ende Dezember 2019 mit einer Zinserhöhung rechnen würden. So war es zumindest am Mittwoch im Geldmarkt eingepreist. Tatsächlich, so die Quellen, sei aber eine Zinserhöhung im September oder Oktober kommenden Jahres vorgesehen. Im Grunde eine Neuigkeit, die nicht wirklich neu ist. Denn die EZB machte bei ihrer vergangenen Ratssitzung deutlich, sie würde mit einem ersten Zinsschritt bis zum Ende des kommenden Sommers warten. Natürlich fanden Marktteilnehmer dieses Commitment der EZB, das für deren Verhältnisse ausgesprochen deutlich war, zunächst überraschend, und auch spätere Statement von Zentralbankvertretern wurden offensichtlich eher vorsichtig, sprich leicht taubenhaft aufgefasst. Allerdings machten Beobachter auch darauf aufmerksam, dass es eine ganz entscheidende Rolle spielen würde, ob es sich bei den zitierten EZB-Entscheidern um Tauben oder Falten gehandelt habe. Denn letztere würden sicherlich lieber früher als später mit dem ersten Zinsschritt beginnen wollen, weswegen ein Statement aus deren Mund sicherlich anders zu bewerten sei, als wenn es eine Zinstaube geäußert hätte.
Auf US-Seite wurde gestern Abend noch das Sitzungsprotokoll des Offenmarktausschusses der Notenbank (FOMC) am 12./13. Juni veröffentlicht. Danach macht man sich im FOMC Sorgen, dass sich Zölle und Handelsrestriktionen auf künftige Investments negativ auswirken könnten. Allerdings wiegen die Bedenken nicht so schwer, als dass sie das Vertrauen der FOMC-Entscheider in ein positives US-Wachstum überschatten würden. Und deswegen möchten fast alle FOMC-Vertreter die Zinsen weiterhin regelmäßig anheben, im kommenden Jahr auch möglicherweise über den sogenannten neutralen Zins hinaus.
Den Euro, der gestern zum ersten Mal seit sieben Handelstagen wieder einmal über die 1,17er Linie lugte, ließ das Fed-Protokoll relativ kalt. Tatsächlich lässt sich der Gemeinschaftswährung eine gewisse Stabilität innerhalb ihrer Konsolidierungszone zwischen 1,1505 und 1,1850 nachsagen, solange 1,1600 nicht unterschritten wird.

USD

USD CHF (0,9930)

Die Zahlen der US-Arbeitsmarktagentur ADP fielen gestern per Saldo gemischt aus und konnten dem Dollar keinen Auftrieb geben. Eigentlich hätte der Greenback jedoch spätestens auf den ISM-Einkaufsmanagerindex außerhalb des verarbeitenden Gewerbes reagieren müssen, denn die Zahlen überraschten auf der positiven Seite. Gut möglich, dass die Akteure jedoch wegen des zur Veröffentlichung anstehenden Fed-Protokolls der Sitzung des Offenmarktausschusses keine größeren Engagements eingehen wollten. So tritt der Dollar gegenüber dem Franken nach wie vor fast auf der Stelle und würde sein Aufwärts-Momentum nach Unterschreiten von 0,9880 sogar vollends verlieren. 

GBP

EUR GBP (0,8835)

Anscheinend stieß Theresa Mays jüngster Kompromissvorschlag für ein Zollabkommen nach dem Brexit bei ihrem gestrigen Besuch in Berlin auf wenig Gegenliebe. Sogenannte, mit dem deutschen Standpunkt betraute Quellen bezeichneten den Vorschlag, über den auch heute im britischen Kabinett beraten werden soll, nämlich als "nicht verwendungsfähig". Die Bundeskanzlerin Angela Merkel sei angeblich nicht überzeugt, hieß es. Deswegen geriet Sterling auch ein wenig unter Druck.
Zuvor hatte der Chef der Bank of England, Mark Carney, bei seiner gestrigen Rede zwar nichts Konkretes verlauten lassen, das auf eine weitere Zinserhöhung bei der kommenden Sitzung des Geldpolitischen Komitees am 2. August schließen ließe. Aber offensichtlich war es der positive Unterton hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung in Großbritannien und die Betonung, dass die Inflation kurzfristig wegen gestiegener Energiepreise immer noch anziehen werde, wodurch viele Akteure überzeugt wurden. Zumindest ist nach der Rede Carneys die implizite Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im August gestiegen. Per Saldo konnte der Euro aber im Rahmen seines schwachen Aufwärtstrends, der mittlerweile bis 0,8950 reicht (solange 0,8770 gehalten werden kann), etwas Boden gutmachen.

CHF

EUR CHF (1,1615)

In der Schweiz hat es im Juni gegenüber dem Vormonat keine Inflation gegeben – die mittleren Prognosen der Ökonomen gingen eigentlich von einem Anstieg von 0,1 Prozent aus. Aufs Jahr gesehen entwickelte sich der Konsumentenpreisindex immerhin wie erwartet und lag mit einem Plus von 1,1 Prozent sogar leicht über dem Wert des Vormonats. Kursbestimmend war jedoch gestern in erster Linie der etwas stärkere Euro, der sich innerhalb seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1475 und 1,1655 etwas befestigen konnte. 

PLN

EUR PLN (4,3500)

Die Aussicht auf eine zumindest auf Europa begrenzte Entspannung im Handelsstreit der USA gegen den Rest der Welt hat zu Rückflüssen in den Zloty geführt. Dabei ist nun der steile, seit mehr als zwei Wochen bestehende Aufwärtstrend des Euro nach dem Bruch von 4,3680 zum Erliegen gekommen. Gleichzeitig wurde innerhalb des mittelfristigen übergeordneten Aufwärtstrends eine Korrekturphase eingeleitet, die sich unterhalb von 4,3400 in Richtung 4,3160 verstärken kann. Eine Stabilisierung ist indes für den Euro bereits wieder nach Überschreiten von 4,3880 denkbar. 

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