Globale Themen

Regierungskrise im Vereinigten Königreich?

USD

EUR USD (1,1740)

Auch gestern war so gut wie nichts von Handelskrieg-Ängsten bei den Händlern zu spüren. Offensichtlich scheint man sich der Sichtweise von Zentralbankern anzuschließen, die letztlich vor allen Dingen im US-Wachstum mehr Chancen sehen, als sie die Risiken befürchten, die sich aus dem Handelskonflikt zwischen den USA und China ergeben könnten. Diese Sichtweise hat auch das Fed-Protokoll der vergangenen Woche bestätigt. Wobei man nicht vergessen darf, dass dieses Protokoll bei Veröffentlichung eine Notenbank-Sitzung reflektierte, die bereits drei Wochen zuvor abgehalten worden war. Ob die Einschätzung von Risiken Mitte Juni nicht ein wenig zu blauäugig war? Dem entgegen steht ein Interview von EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny, der gestern als Zinsfalke wenig überraschend zu verstehen gab, dass das Wachstum der Eurozone sich derzeit lediglich auf einem Plateau befände, verursacht durch eine hohe Kapazitätsauslastung. Und dass es mit den Zinsen nach oben geht, daran hat der Präsident der Österreichischen Nationalbank gestern keinerlei Zweifel gelassen. Überraschend indes: Auch Nowotny scheinen die Risiken, die sich aus der gegenwärtigen globalen ökonomischen Situation entwickeln könnten, nicht besonders zu beunruhigen.
Aber vielleicht ist diese relative Ruhe auch dem Umstand zu verdanken, dass derzeit wenig zu Strafzöllen von der Trump-Administration zu hören ist. Wenn man einmal vom gestrigen Tweet von US-Präsident Trump absieht, der hinter dem jüngsten Rückzieher des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un in Sachen Denuklearisierung offenbar eine chinesische Einflussnahme wegen des Handelskonflikts witterte. Gut möglich aber auch, dass der gestern erholte Kurs der chinesischen Währung die Gemüter etwas beruhigt hat. Zumal auch die chinesischen Devisenreserven im Juni unerwartet gestiegen waren. Ökonomen hatten nämlich erwartet, dass die Reserven im Juni um umgerechnet mehr als 10 Milliarden USD fallen würden. Dass die Devisenreserven Chinas indes um (geringfügige) 1,5 Milliarden USD gestiegen waren, führte das staatliche chinesische Devisenamt (SAFE) auf Kursgewinne ihrer Wertpapiere zurück.
Dass sich der Euro vorübergehend bis auf 1,1790 befestigen konnte, verdankte er nicht nur der wachsenden Risikofreude der Händler, sondern auch den besser als erwartet ausgefallenen Zahlen zur deutschen Handelsbilanz. Dennoch bleibt die Gemeinschaftswährung innerhalb ihrer Konsolidierungszone zwischen 1,1505 und 1,1855, verbunden mit einer positiven Note, solange 1,1620 nicht verletzt wird.

USD

USD CHF (0,9920)

Die gestrige anfängliche Dollarschwäche hat immerhin dazu gereicht, den ohnehin schwachen Aufwärtstrend des Greenback zu beenden. Auch wenn sich der Dollar anschließend wieder schnell befestigte und nach einem Beinahe-Test der Untergrenze seiner neuen Konsolidierung bei 0,9850 sich wieder auf die Ausgangsposition (0,9920) vom Handelsbeginn zurückbegab, kann man derzeit nicht von einem Wiederaufleben des alten Aufwärtstrends ausgehen. Die neue Konsolidierungszone reicht an der Oberseite übrigens bis 0,9995.

GBP

EUR GBP (0,8870)

Eines ist mittlerweile klar geworden: Das Treffen von Premierministerin Theresa May mit ihrem Kabinett auf dem beschaulichen Landsitz in Chequers ist längst nicht so harmonisch verlaufen, wie das viele Beobachter ursprünglich gedacht hatten. Selbst der Rücktritt von Brexit-Minister David Davis vorgestern Nacht ließ viele Akteure zunächst auch nicht an eine handfeste Rebellion innerhalb der Conservative Party glauben, weswegen sich das britische Pfund nach anfänglicher Schwäche wieder erholte. Zumal mit Dominic Raab schnell ein Brexit-Befürworter und Nachfolger von Davis gefunden war. Erst der überraschende Rücktritt von Außenminister und Brexit-Befürworter Boris Johnson am gestrigen Nachmittag hat die politische Szenerie in Richtung einer handfesten Regierungskrise verändert. Auf Johnson folgt nun Jeremy Hunt (zuvor Gesundheitsminister) als Außenminister. Und so gibt es bereits nicht wenige Kommentatoren, die davon ausgehen, dass Theresa Mays Regierung diese Woche politisch nicht mehr überleben wird – auch wenn es gestern danach aussah, als besäße Theresa May noch genügend Rückhalt in der eigenen Partei. Nachdem Sterling das Ausscheiden von David Davis noch einigermaßen weggesteckt hatte, geriet es nach dem Rücktritt von Boris Johnson deutlicher unter Druck, allerdings gegenüber dem Euro nur temporär (0,8900). Dieser befindet sich ohnehin in einem nur schwachen Aufwärtstrend, aber mit Perspektive bis 0,8950, solange 0,8770 unverletzt bleibt.

EUR

EUR CHF (1,1655)

Die Schweizer Arbeitslosenquote, die mit 2,4 Prozent etwas höher als erwartet ausgefallen ist, dürfte wohl kaum für den gestrigen Rückgang des Franken gegenüber dem Euro verantwortlich gewesen sein. Stattdessen hat die zurückgekehrte Risikofreude der Händler die Gemeinschaftswährung erwartungsgemäß an die Obergrenze ihrer Konsolidierung bei 1,1655 befördert. Oberhalb davon würde sogleich ein Aufwärtstrend eingeläutet, der zunächst bis 1,1775 reichen würde. Das Umfeld für den Euro bleibt ohnehin günstig, solange 1,1580 an der Unterseite nicht verletzt wird.

PLN

EUR PLN (4,3140)

Gestiegene Risikofreude hat dem Zloty weitere Stärke zurückgegeben. Der Euro hat spiegelbildlich dazu seine Korrektur in Richtung 4,3160 erwartungsgemäß verstärkt und befindet sich nun unweit der Unterkante seines Aufwärtstrends bei 4,3090 (Risiko darunter: 4,2600). Andererseits würde bereits ein Überschreiten von 4,3575 genügen, um die vorherrschende Abwärtskorrektur zu beenden.

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